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KI im Unterricht — Chancen, Risiken und was Lehrende jetzt wissen müssenAI in education — opportunities, risks and what educators need to know now

ChatGPT schreibt Hausaufgaben. Schülerinnen nutzen KI für Referate. Lehrende stehen unter Druck. Wie geht man ehrlich und produktiv mit dieser Realität um?ChatGPT writes homework. Students use AI for presentations. Teachers are under pressure. How do we deal honestly and productively with this reality?

Im Frühjahr 2026 zeigt sich an vielen Schulen dieselbe Spaltung.

Die einen reagieren mit Verboten: KI-Tools sind tabu, Hausarbeiten sollen handschriftlich eingereicht werden. Die anderen versuchen, KI einzubinden — ohne immer zu wissen, wie.

Beide haben ein Problem. Das Verbot löst nichts. Und die Integration gelingt nur, wenn sie mit echtem Verständnis begleitet wird.

Die Realität in deutschen Schulen

Schülerinnen und Schüler nutzen KI. Das ist keine Randerscheinung mehr, sondern Teil des Schulalltags.

Sie tun es, weil es funktioniert. Weil sie unter Druck stehen. Weil niemand ihnen gezeigt hat, wie man KI nutzt und dabei trotzdem etwas lernt.

Das ist kein Versagen der Schülerinnen. Es ist ein Strukturproblem — und Lehrende stehen mittendrin.

Schülerinnen arbeiten zusammen an Tablets in einer Bibliothek — kollaboratives digitales Lernen

Was der EU AI Act für Schulen bedeutet

Nicht jede KI in der Schule ist automatisch Hochrisiko. Relevant wird es dort, wo KI über Bewertung, Einstufung oder Zugang mitentscheidet.

Wenn KI-Systeme genutzt werden, um Lernleistungen zu bewerten, Lernwege zu empfehlen oder Zugänge zu steuern, gelten strenge Vorgaben zu Dokumentation, Aufsicht und Verantwortlichkeit.

Eine Schulbehörde, die ein KI-gestütztes Bewertungstool einführt, ohne das offen zu kommunizieren und ohne menschliche Kontrolle sicherzustellen, bewegt sich auf rechtlich unsicherem Terrain.

Drei ehrliche Fragen, die Schulen sich stellen müssen

Frage 1: Was wollen wir mit Bildung erreichen?

Wenn das Ziel ist, dass Schülerinnen Informationen produzieren, dann bedroht KI dieses Ziel. Wenn das Ziel ist, dass sie denken, bewerten und einordnen lernen, dann ist KI ein Werkzeug — das gezeigt werden muss.

Bildungsziele vor Technikentscheidungen.

Frage 2: Was sollen Schülerinnen über KI wissen?

KI-Kompetenz wird zunehmend zu einer Grundkompetenz. Das bedeutet nicht, Modelle zu trainieren. Es bedeutet:

  • Verstehen, wie Sprachmodelle funktionieren
  • Einschätzen, wann KI-Ausgaben verlässlich sind und wann nicht
  • Datenschutz und eigene Rechte kennen

Das wird nirgendwo automatisch gelernt. Es muss gelehrt werden.

Frage 3: Wie können Aufgaben gestaltet werden, die KI sinnvoll einschließen?

Statt Hausarbeiten zu verbieten, kann man Aufgaben stellen, die KI sinnvoll einbinden:

  • „Nutze ChatGPT, um eine erste Antwort zu generieren — und analysiere dann, was daran falsch oder unvollständig ist.“
  • „Prompts vergleichen: Welche Eingabe erzeugt bessere Antworten? Warum?“
  • „Erstelle eine KI-gestützte Präsentation — und erkläre in einem Reflexionsteil, welche Entscheidungen du getroffen hast.“

Das schult kritisches Denken, Medienkompetenz und fachliches Verständnis gleichzeitig.

„Die Frage ist nicht, ob Schülerinnen KI nutzen dürfen. Die Frage ist, was sie dabei lernen.“ — Kerres/Waffner: Lehren und Lernen mit KI, Universität Duisburg-Essen

Was Lehrende jetzt brauchen

Lehrende wurden nicht für diese Situation ausgebildet. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass sie eigenständig KI-Didaktik entwickeln — neben allem anderen.

Was tatsächlich hilft:

  • Konkrete Unterrichtsbeispiele, die zeigen, wie KI eingebettet werden kann
  • Kollegiale Reflexionsräume, um Erfahrungen auszutauschen
  • Fortbildungen, die nicht nur Technik erklären, sondern didaktische Konsequenzen durchdenken
  • Klarheit von Schulleitung und Behörden — keine widersprüchlichen Signale

Das ist keine Frage von Technikaffinität. Es ist eine Frage von professioneller Unterstützung.

Ein Schlusssatz für Lehrende

Wenn Sie unsicher sind, wie Sie mit KI umgehen sollen: Das ist normal. Viele Kollegien stehen gerade an genau diesem Punkt.

Die produktivste Haltung ist nicht Ablehnung und nicht blindes Mitmachen — sondern neugierige Skepsis. Ausprobieren, einordnen, kritisch bleiben.

Genau das wollen wir auch Schülerinnen und Schülern beibringen.


Für Lehrerkollegien, Bildungsleitungen und Träger: Ich entwickle Fortbildungen zu KI im Unterricht, die konkret, alltagstauglich und ohne Technikfetisch sind.

Weiterlesen: Über die Themen lässt sich das Feld vertiefen, im Glossar werden Fachbegriffe erklärt und in den Ressourcen finden Sie weiterführende Quellen.

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